Mirapuri – Stadt des Friedens und des Zukunftsmenschen in Europa

Eine Stadtgründung ist eine seltene Angelegenheit, nicht nur zu unserer Zeit. In der Regel entstehen Städte von selbst, fast auf organische Weise. Meist haben günstige landschaftliche Gegebenheiten die Menschen dazu bewogen, sich niederzulassen. Und je nach Lage oder soziologischen o.ä. Besonderheiten (Königssitz, Religionssitz, Handelsknotenpunkt, Befestigung, Zusammenfluss) sind diese Niederlassungen schnell zu Städten angewachsen.
Aber manche Städte wurden, zumindest der Sage nach, regelrecht gegründet, meist durch Herrscher wie Alexander der Große oder Karl der Große. Vordergründig dienten solche Gründungen meist machtpolitischen Zwecken (Grenzsicherung, Nachruhm). Aber das ist nur ein Aspekt. Ein anderer, der eigentlich wichtige Aspekt, wird oft übersehen.
Der eigentliche Kern jeder Stadtgründung ist eine Vision. Der Gehalt einer Vision mag reich oder begrenzt sein, selbstlos oder egozentrisch. Aber es ist eine Vorstellung davon da, wie die Dinge sein könnten, und der Glaube oder die Hoffnung eines Wandels zum Besseren. Manche dieser Städte sind heute nur noch Legenden, sei es weil sie gescheitert sind, die Vision von der Zeit überholt wurde oder ihrer Zeit zu weit voraus war. Wie dem auch sei, alle diese Visionen haben eines gemeinsam: Sie sind in die Zukunft gerichtet.
Eine der wichtigsten Neugründungen seit sehr langer Zeit ist Mirapuri. 1978 wurde Mirapuri von Michel Montecrossa in Norditalien gegründet, in der Gegend zwischen dem Lago Maggiore und dem Lago di Orta. Ein erster Satellit von Mirapuri ist Miravillage in Süddeutschland, südlich von München.
Auch Mirapuri liegt eine Vision zugrunde, die am Besten durch ihren Beinamen ausgedrückt wird: Die Stadt des Friedens und des Zukunftsmenschen in Europa. Der Hintergrund dieser Vision ist das Weltbild, das Sri Aurobindo und Mira Alfassa aufgezeigt haben. Sri Aurobindo (1872-1950) ist ein indischer Revolutionär, Dichter, Philosoph und Yogi mit einer umfassenden, europäisch geprägten Erziehung und Ausbildung und wirklich profunder Kenntnis indischer Kultur und Philosophie. Mira Alfassa (1878-1973), in Indien Die Mutter genannt, ist eine französische Kosmopolitin, Freigeist, Malerin, Okkultistin and praktische Philosophin mit tiefem Einblick in die menschliche Natur.
Ihrer beider Wirken färbt alle Aspekte der Vision und Konzeption Mirapuris. Mirapuri ist also zunächst die Stadt des Friedens. Frieden ist nicht nur das Gegenteil von Krieg. Er ist viel mehr. Er steht für ein ganzes Universum. Die Welt in ihrem gegenwärtigen Zustand ist Ausdruck des Unfriedens. Wahrscheinlich kann niemand auf der Erde wirklich in Frieden leben. Viele Einzelversuche, sich den Frieden zu erschließen scheitern, denn der Mensch lebt immer in Kontakt mit anderen und wird in seinem Bemühen stets behindert und abgelenkt. Selbst wer sich in eine dieser beliebten einsamen Höhlen in den Himalaya zurückzieht, weicht letztlich der Gewalt.
Die Stadt des Friedens ist der Versuch, ein Umfeld zu schaffen, das dem Einzelnen helfen soll, Frieden zu finden, ihn zu erforschen und in seiner Vielfalt zu entdecken und vor allem auszudrücken. Natürlich haben auch vereinzelte Versuche ihren Wert, vor allem individuell. Aber die Beschränkung auf das Individuum ist bereits wieder Ausdruck einer Trennung, einer Aufteilung und so des Unfriedens.
Wirklicher Friede kann nur integral entstehen, also individuell und kollektiv. Zur Illustration stelle man sich den gegenwärtigen Zustand des menschlichen Bewusstseins als Tuch vor, das flach auf dem Boden der Ebene des Unfriedens liegt. Jeder, der sich um Frieden bemüht, hebt das Tuch an einer Stelle etwas näher an die Ebene des Friedens heran. Jeder Akt des Unfriedens zieht es zurück. Wenn sich überall auf der Welt genügend Streiter für den Frieden finden – denn Frieden ist eine dynamische Angelegenheit -, kann das Tuch angehoben und die Ebene des Friedens erreicht werden. Aber bislang ist es nicht soweit. Zwar ist es dem Einzelnen durchaus möglich, sich individuell über den Durchschnitt zu erheben und Zutritt in Bereiche zu erlangen, die der überwiegenden Mehrheit verschlossen sind, aber solch ein Mensch ist wie eine Nadel, um bei dem Vergleich zu bleiben, der das Tuch durchstößt und den Bereich der Durchschnittlichkeit hinter sich zurück lässt. Sein Sieg ist individueller Natur und wird von seiner Umgebung nicht wirklich verstanden werden und ihr auch nichts bedeuten.
Mirapuri geht einen anderen Weg. Durch räumliche Konzentration von Menschen ähnlicher Geisteshaltung und Aspiration entsteht das Fundament einer Gruppe, eines Gemeinschaftswesens und eines gemeinsamen Grundbewusstseins oder einer gemeinsamen Geisteshaltung, und gleichzeitig wird damit eine Atmosphäre geschaffen, die dem Einzelnen die individuelle Bemühung erleichtert, was wiederum eine dichtere Atmosphäre ermöglicht… Viele Menschen, die miteinander in Beziehung stehen und die unterschiedliche Fortschritte machen bedeuten aber auch andererseits, dass jemand, der das Tuch weit anheben kann nicht allein dasteht, sondern von denen gestützt wird, die nicht ganz so weit sind, und auch diese von kleineren Kräften Unterstützung erhalten. Wenn man aber das Tuch an einer Stelle ausreichend heben kann, wird sich das auf die nähere Umgebung auswirken und später auch auf die weitere. Es ist wie das Wachstum eines Berges. Aus mehreren solchen Konzentrationspunkten oder atmosphärischen Verdichtungen bildet sich ein Netz, und wenn dessen Maschen dicht genug sind und/oder die Gipfel hoch genug, findet eine Anhebung des Gesamtbewusstseins statt. Das heißt, es muss nicht nur eine Konzentration stattfinden, sondern auch eine Ausweitung und Vervielfältigung.
Das ist einer der Gründe, die zur Gründung von Mirapuri geführt haben. Der Mensch hat eine gewisse Grundbereitschaft, vorhandene und funktionierende Dinge anzunehmen und sich an Dinge, die in Fluss geraten sind anzuhängen, aber die Fähigkeit und der Wille zu einer eigenständigen Vision ist schon viel seltener, und das Vermögen, sie Wirklichkeit werden zu lassen ist noch viel weniger verbreitet. In dem Maße, in dem Mirapuri seiner Gründungsvision gerecht wird, wird sich diese Vision und die Bemühung, sie umzusetzen auch ausbreiten.
Die Verwirklichung einer Vision wie Mirapuri erfordert natürlich eine umfassende und gründliche Bemühung. Das bedeutet, dass es nicht ausreicht, sich gemeinsam um isolierten Frieden zu bemühen. Frieden und Unfrieden sind ein Phänomen menschlicher Existenz und wie diese sehr vielschichtig. Man könnte sogar sagen, dass das Hervorrufen und die Wahrnehmung von Frieden und Unfrieden bewusstseinsabhängig sind, im Gegensatz zu den gewalttätigen Alltäglichkeiten der Natur, die nur in einer sehr speziellen Weise mit Frieden und Unfrieden zu tun haben und deren grundlegende Bearbeitung noch in weiter Ferne liegt.
Das eigentliche Fundament Mirapuris ist, wie schon angedeutet, in dem Weltbild und den Einsichten zu finden, die vor allem Sri Aurobindo und Mira Alfassa vermittelt haben, aber auch in den Menschen, die an der Vision und Verwirklichung Mirapuris teilhaben. Auf diesem Fundament baut eine umfassende und vielschichtige Bemühung auf, die Vision zu materialisieren.
Umfassend und vielschichtig bedeutet horizontal und vertikal, bedeutet, dass alle Bereiche des menschlichen Lebens, alle Ausdrucksformen menschlichen Seins in die Bemühung einbezogen werden müssen. Das führt dazu, dass man Mirapuri nicht als spirituelle Stadt im weitläufig gebräuchlichen Sinn bezeichnen kann, deren Bewohner sich ausschließlich in Meditation, Kontemplation und schöngeistiger, gefälliger Rede üben, entrückt von den Bedürfnissen dieser Welt. Das würde nicht weit führen, nur von individueller Bedeutung sein und vor allem auch nicht lange halten. Mirapuri versucht stattdessen, eine Modellstadt zu werden, in der Zusammenleben erprobt, Beziehungen getestet, Zusammenhänge erforscht, Neudefinitionen formuliert und Zukunftsorientierung gelebt werden. Weltflucht zählt definitiv nicht zum Programm Mirapuris.
Frieden ist nicht nur das Gegenteil von Krieg. Positiv betrachtet bedeutet Frieden, im Einklang zu sein.
Da gibt es den Einklang mit anderen, den Einklang mit der Natur, den Einklang mit sich selbst. Die Basis für die Verwirklichung dieses Einklangs ist die Seele. Das Streben nach Frieden, die Bemühung um Einklang ist so die Suche nach der Seele. Wenn man die Dinge nur oberflächlich betrachtet, so ist es nicht möglich, mit anderen in Frieden und Einklang zu leben, denn dazu müssten alle Impulse und Lebensäußerungen vollkommen aufeinander abgestimmt sein. So etwas gelingt nur in totalitären Science Fiction Szenarien und bedeutet Tod. Einklang für sich auf der materiellen, vitalen und/oder mentalen Ebene ist nicht möglich. Alle Elemente dieser Ebenen bilden letztlich nur chaotische Systeme. Jeder Versuch, dort Ordnung zu schaffen ist räumlich, zeitliche oder energetisch nur begrenzt möglich, ehe das Chaos wieder die Oberhand gewinnt. Das einzige, was dem entgegenwirkt, ist der Versuch der Natur mit Hilfe der Evolution den Wert der Entropie stetig zu erhöhen. Und wenn man es genau nimmt, steht hinter der Evolution, hinter der Natur das Göttliche. Es allein ist die höchste Ordnungsmacht.
Um also zu einem wirklichen Einklang zu kommen, müssen wir uns dem Göttlichen nähern, müssen wir uns in seine Hände begeben, zumindest aber versuchen, einen möglichst direkten Draht zu ihm zu erlangen. Diesen direkten Draht tragen wir alle in uns herum. Unsere Schnittstelle zum Göttlichen ist unsere Seele. Um nun in Einklang zu leben, müssen wir nicht zu unserem Nachbarn schauen, sondern in unsere Seele. Das ist das Geheimnis von Mirapuri. Wenn sich alles auf ein Zentrum bezieht (von innen heraus, nicht mechanisch), dann entsteht Einklang und Ordnung, und mag der äußere Anschein noch so chaotisch sein. Die Strahlen einer Sonne mögen in alle möglichen Richtungen weisen – sie kreuzen sich nie. Darum ist das Göttliche – und damit ist nicht Religion gemeint – die einzig wirksame und verlässliche Zentralidee für ein wirkliches Gemeinschaftsleben. Alle anderen Ideen wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, politische Ideale, soziale Ideen, Biologischer Gartenbau, sexuelle Revolution sind zu kleine, zu begrenzte, zu verwaschene, unscharfe Lichter, um ein tragfähiges Fundament für Einklang und somit für Frieden zu bilden.
Die Qualität dieses Einklangs ist nun natürlich direkt abhängig davon, in welchem Maße der Einzelne den Zugang zu seiner Seele findet und wie sehr er sich um ihn bemüht. Darum ist die Sache nach der Seele für jeden Mirianer von höchster Bedeutung. Und jeder ist in seiner Suche, in seinem Bemühen frei. Jeder kann seinen eigenen Weg gehen. Aber letztlich führt jeder Weg, jede Suche früher oder später in die Tiefen des Herzens, und man entdeckt in sich – wenn man es nicht ohnehin schon weiß – was man eigentlich sein will. Manche wollen Krieger (im besten Sinne des Wortes) sein, oder Schöpfer, Entdecker, Pioniere… oder auch alles zusammen. Als Kind, als der Kontakt zur Seele noch unmittelbarer war, war dies immer ganz klar.
Ein Zweck Mirapuris ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem die inneren Möglichkeiten und tieferen Wünsche gefördert werden und sich leichter entfalten können. Mira Alfassa hat dies in einem kurzen Aufsatz erläutert. Sie nannte ihn „Der Traum“:
„Es sollte irgendwo auf der Erde einen Platz geben, den keine Nation als ihr Eigentum beanspruchen kann, einen Platz, an dem alle gutwilligen Menschen, ehrlich in ihrem Bestreben, frei als Bürger der Welt leben können und einer einzigen Autorität folgen, der höchsten Wahrheit. Ein Platz des Friedens, der Eintracht, der Harmonie, wo alle kämpferischen Instinkte des Menschen ausschließlich dazu benützt würden, die Ursachen seines Leidens und Elends zu bewältigen, seine Schwäche und sein Unwissen zu überwinden, über seine Grenzen und Unfähigkeiten zu triumphieren. Ein Platz, an dem die spirituellen Bedürfnisse und die Sorge um Fortschritt Vorrang hätten vor der Befriedigung von Verlangen und Leidenschaften, dem Suchen nach materiellem Vergnügen und Genuss. An diesem idealen Ort wäre Geld nicht mehr der unumschränkte Herrscher. Individueller Wert hätte größere Bedeutung als der Wert, der aus materiellem Reichtum und sozialer Stellung kommt. Arbeit würde nicht dazu dienen, seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Sie wäre das Mittel, um sich auszudrücken, um seine Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln, während man gleichzeitig einen Dienst für die Gemeinschaft tut, die ihrerseits für die Lebensbedürfnisse und das Tätigkeitsfeld des einzelnen sorgen würde. An diesem idealen Platz wären Kinder in der Lage, ganzheitlich heranzuwachsen und sich zu entwickeln, ohne die Verbindung mit ihrer Seele zu verlieren. Ausbildung würde nicht im Hinblick auf Prüfungen und Zeugnisse und Positionen erteilt, sondern um die vorhandenen Fähigkeiten zu bereichern und neue hervorzubringen. Kurz, es wäre ein Platz, an dem die Beziehungen zwischen den Menschen, die gewöhnlich fast ausschließlich auf Konkurrenz und Streit begründet sind, durch Beziehungen des Wetteiferns um das Bessertun ersetzt würden, des Wetteiferns um Zusammenarbeit und Beziehungen wahrer Brüderlichkeit.“
In dem Maße, in dem die zarte Stimme der Seele Gehör findet, kann man das seelische Element stärker zum Ausdruck bringen und das Wachstum der Seele fördern. Es macht einen großen Unterschied, ob man seine Fähigkeiten für sein Ego und vitale Wünsche einsetzt, oder für seine seelische Entwicklung und damit letztlich auch für das Göttliche.
Und so wie die Seele für den Einklang im Zusammenleben sorgt, indem sie dem Einzelnen einen klaren Blick auf die Bedeutung der Dinge erleichtert, Dinge ins rechte Licht rückt und relativiert und so einen weiteren Blick erleichtert und die innere Verbindung zu anderen begründet, so sorgt sie auch für Einklang im Einzelnen. Sie bietet einen Orientierungspunkt, ein Koordinationszentrum für die vielen widerstreitenden Persönlichkeitselemente, einen Ansatzpunkt für Ihre Integration. So wird aus einem zerrissenen Menschen eine zentrierte Persönlichkeit, ein wirkliches Individuum, dessen Handeln aus der eigenen Mitte kommt und nicht von umherschwirrenden Ideen und Moden. Parallel zu diesem Prozess findet ein Wachstum der Seele statt, ein Reifungsprozess. Man entwickelt wirklichen Charakter und wird zu dem, was man in der Tiefe seines Wesens immer schon war, was man aber nie ausdrücken konnte, ein wahrer Mensch. Die Reifung zum wahren Menschen ist, mit all ihren Begleiterscheinungen, das Ziel der Stadt des Friedens.
Die Reifung zum wahren Menschen über die Seelenpersönlichkeit wird ergänzt durch einen anderen notwendigen Entwicklungsaspekt. Stellt die Entfaltung der Seele ein Nach-innen-gehen dar, so ist die Ergänzung dazu ein Sich-nach-außen-wenden, eine Ausweitung des Bewusstseins im weitesten Sinne. Sri Aurobindo sagt, dass „Bewusstsein eine Wirklichkeit ist, die dem Dasein innewohnt.“ Unser Oberflächen- und Ich-Bewusstsein ist nur ein Teil des Bewusstseins. Bewusstsein hat viele Facetten und diese aufzuspüren, zu entdecken, zu erforschen, zu leben, zur Entfaltung zu bringen und auszuweiten ist ein wichtiger Aspekt, der hinter dem Leben und Werden Mirapuris steht.
Bei alledem hat Mirapuri eine weitere, fast einmalige Aufgabe und Konzeption. Die Entfaltung der Höhen und inneren Tiefen findet nicht für sich statt, in einer Atmosphäre, die ausschließlich dafür geschaffen wäre; dafür wäre jedes bessere Kloster ausreichend. Bei all den Bemühungen um innere Entwicklung und Fortschritt ist immer auch ein Aspekt der Integration wirksam, so etwas wie eine Erdung. Alle Fortschritte, die gemacht werden, dienen nicht einer isolierten inneren Entwicklung, sondern stehen immer in Verbindung mit dem, was man gemeinhin als das „wirkliche Leben“ bezeichnet. Das heißt übersetzt, dass es nicht Mirapuris Funktion ist, Luftschlösser zu ermöglichen, sondern eine Brücke zu bauen und mitzuhelfen, dass die Einheit der Schöpfung konkreter wird. Dieser Prozess ist zwar langsamer als der Bau von Luftschlössern und ziemlich unspektakulär, aber nachhaltig effektiv.
Die Brücke, die Mirapuri baut, ist nicht nur eine Brücke zwischen und zu den verschiedenen Ebenen und Aspekten des Seins, sondern damit auch eine Brücke in die Zukunft. Die Konsolidierung des gegenwärtig möglichen Potentials ist dabei nicht der Zukunftsaspekt, sondern eher die Basis, die Gegenwart. Der wahre Mensch ist eher ein Brückenpfeiler auf dem Weg in die Zukunft, zum Zukunftsmenschen.
Diese Entwicklung zum Zukunftsmenschen ist die tiefere Vision, die Mirapuri zugrunde liegt. Die Formulierung und Ausarbeitung der Entwicklungsmöglichkeiten wurde von Sri Aurobindo und Mira Alfassa durchgeführt. Sie schufen den Integralen Yoga und die Formulierung des ihm zugrunde liegenden evolutionären Weltbildes. Sehr stark vereinfacht könnte man das so formulieren, dass der Mensch noch längst nicht das Endprodukt einer jahrmilliardenalten Entwicklung ist, wie er selbst gerne glaubt, sondern nur einer von mehreren Zwischenschritten. Im Augenblick befindet sich der Mensch am Übergang vom Tier zum eigentlichen Menschen. Unsere Entwicklung ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass es uns möglich ist, bewusst daran teilzunehmen und diesen Augenblick auf vielleicht einige Jahrhunderte zu verkürzen, statt passiv mehrere Jahrzehntausende den „natürlichen“ Verlauf abzuwarten (falls wir uns als Spezies nicht schon vorher ausgerottet haben). Dies ist einer der vielen Blickwinkel auf das Weltbild des Integralen Yoga.
Mirapuri soll ein Bewussteinsfeld bieten, das diese Entwicklung zumindest erleichtert. Das ist eine Arbeit für Generationen, nicht für ein paar Jahrzehnte. Das hat natürlich Auswirkungen auch auf die materielle Seite der Konzeption Mirapuris. So ist Mirapuri nicht als Einzelfall geplant, sondern als Modellstadt, als Ausgangspunkt für weitere Stadtgründungen.
Mirapuri ist auch auf Dauerhaftigkeit und Wachstum ausgelegt. Es gibt ein Gründungsstadium (Jung-Mirapuri), ein Konsolidierungsstadium (Öko-Mirapuri) und ein Entfaltungsstadium (Zukunfts-Mirapuri). Angestrebt ist eine weitgehende Selbstversorgung. Dies betrifft nicht nur Nahrungsmittelversorgung, sondern auch das Ziel, möglichst viele Tätigkeiten selbst durchführen zu können. Wenn sinnvoll und möglich werden diese auch Nicht-Mirianern in Form von Dienstleistungen für ein ausgewogenes Wirtschaftsleben angeboten, wie zum Beispiel im Gestaltungs- und Publikationswesen. Neben manuellen Fertigkeiten werden auch kulturelle Fähigkeiten gefördert. Und Events wie das Spirit of Woodstock Festival sind nicht nur Möglichkeiten für den musikalischen Selbstausdruck, sondern auch Schnittstellen für die Vermittlung Mirianischer Kultur und Lebensart.
In Fragen der Architekturplanung und Ökologie werden Bewusstseinsaspekte und Zukunftsorientierung wohl am offensichtlichsten sichtbar werden. Andere Besonderheiten sind auf den ersten Blick weniger sichtbar. So etwa das Zusammenleben, das nicht an der Kleinfamilie orientiert ist (obwohl auch diese möglich ist), sondern rein äußerlich wie eine stetig fluktuierende Großfamilie erscheinen mag. Familiäre Begrenzungen machen dabei einem größeren Gemeinschaftsempfinden Platz. Beziehungen sind frei und nicht abhängig von Gesetzen und Konventionen, sondern von der Natur des Menschen und dem Ausdruck von Gefühlen. Geld ist ebenso wenig fixiert und gebunden, sondern wird, entsprechend der individuellen Entwicklung, bestmöglich für kollektiv-individuelle Zwecke eingesetzt. Und dabei ist nie etwas unverändert fixiert. Um lebendig zu bleiben muss man immer Sein, Will und Soll vergleichen und auf die Gegenwart und Entwicklungspotentiale abstimmen.
Mirapuri ist ein lebendiger Organismus, und um an Mirapuri teilzuhaben muss man leben. Und darum ist das Leben und die Entfaltung Mirapuris mit dem Leben und der Entfaltung des Einzelnen verbunden und führt über Einklang und Frieden von der Gegenwart in die Zukunft. hier und heute – und zwar zuerst bei uns selbst.

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