Islam und Migration existieren – Get over it

policonKurzfassung: Wir sind selbst schuld, wenn es so viele Flüchtlinge gibt und wenn diese zu uns kommen. Aber es bringt nichts, auf sie zu schimpfen oder sie in ein KZ zu stecken. Wir müssen selbst wachsen und uns mit ihnen und unseren Ängsten und Fehlern auseinandersetzen, ihnen bei der Integration helfen und die Notwendigkeit für Flucht und Völkerwanderung beseitigen. Das wäre wahre Menschlichkeit und ein möglicher Ausgangspunkt für eine bessere Welt.

Die gegenwärtige Flüchtlingswanderung beunruhigt viele Menschen und lässt eigentlich auf dem Rückzug befindliche Untugenden wieder zum Vorschein kommen. Auch die zunehmende Freiheit in Sexualität und Beziehung, vor allem in Bezug auf die Rechte von Homo- und Bisexuellen und von Transgendern, sorgt in manchen Bevölkerungsgruppen für wachsende Unruhe. Auch wenn viele das nicht sehen, so bereitet die Welt sich doch auf einen Wandel zu einer besseren, lichtvollen Welt vor. Die gegenwärtigen Unruhen und die globale Bemühung um einen gesellschaftlichen Rechtsruck sind ein Aufbäumen von Kräften, die keine Veränderungen lieben und die vor allem um ihre Macht und ihren Einfluss fürchten. Auf deren aktives Wirken ist das gegenwärtige Chaos im Wesentlichen zurückzuführen.

Darum hilft es nicht, gegen den Islam zu wettern und gegen Flüchtlinge zu schimpfen – das eigentliche Hauptproblem sind diese dunklen Kräfte, die sich vor allem in der Politik, der Religion und der Wirtschaft und Industrie ausdrücken. Da bringt es auch nichts, sich an der Französischen Revolution zu orientieren und alle Missetäter aufzuknüpfen, weil dann schnell eine neue Generation von „Bösen“, von Fehlgeleiteten, deren Platz einnimmt, wie zuletzt die Arabische Revolution gezeigt hat. Wenn man wirklich einen Wandel hin zum Besseren bewirken möchte, dann darf man nicht nur gegen etwas sein, sondern muss vor allem aktiv etwas DAFÜR tun, man muss das Gute und die Liebe auf der Welt stärken, dann muss man sich einer lichten Erde öffnen und sich den Tatsachen stellen, statt den Kopf in den Sand zu stecken und neue Mauern zu errichten.

Und eine dieser Tatsachen ist, dass es einen starken Zustrom von überwiegend muslimischen Flüchtlingen gibt. Um mit diesem Zustrom zurechtzukommen, müssen wir uns mit ihm in all seinen Facetten beschäftigen.

Die erste Facette ist, dass es überhaupt Menschen gibt, die aus ihrer Heimat flüchten müssen. Das ist immer eine äußerst schwerwiegende Entscheidung, welche die Menschen nicht einfach so aus Lust und Laune treffen, sondern weil die Zustände, unter denen sie leben, unerträglich sind und weil sie traumatischer sind ls das Trauma der Entwurzelung, die mit einer Auswanderung unter diesen Umständen verbunden ist. Und das ist keine neue Erscheinung. Die großen Völkerwanderungen, die Europa einst durchzogen haben, wurden vermutlich durch Kriege und Hungersnöte ausgelöst. Das hat dazu geführt, dass unsere Vorfahren nicht nur die Kelten waren, die quasi die erste europäische Kultur darstellten, sondern auch Römer, Hunnen, Westgoten, Langobarden usw. Nach der Entdeckung Amerikas gab es eine weitere Völkerwanderung, die nur zum Teil von Abenteuerlust und der Verlockung des Neuen geprägt war. Viele Menschen aus Irland sind wegen der dortigen Hungersnot nach Amerika aufgebrochen. Und die Verelendung durch die Industrielle Revolution hat weitere Menschen in die unbekannte Ferne getrieben. Und die Judenverfolgung hat später zu einer kleinen Völkerwanderung in Richtung Palästina geführt. Und die damit verbundene politische Forcierung der Ausrufung des Staates Israel war in dieser Form die erste der Fehlentscheidungen, die zum gegenwärtigen Chaos führten. Statt auf Koexistenz, Mitgefühl und Zusammenarbeit zu setzen, wurde der Staat künstlich in der Schwarz-Weiß-Manier der Dominanz etabliert. Hätten sich die Juden langsamer und im Geiste der Zusammenarbeit angesiedelt und wären zu einer der Kräfte in Palästina geworden, dann könnte der ganze Nahe Osten heute ein weltoffenes Zentrum wirtschaftlicher Blüte und der Zusammenarbeit und des Friedens sein, was theoretisch sogar immer noch möglich ist. So aber wurde Israel zu einem Zankapfel und zum Ausgangspunkt von Religionskriegen.

Dann kam der Krieg zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Nach dem Sieg des Ersteren ging es um die Schaffung von Einflusspähren der Großmächte, was im Wesentlichen eine Art globales Schachspiel ist. Da werden Nationen und Gruppierungen wie Schachfiguren, vor allem Bauern, herumgeschoben und manipuliert. Es werden Kriege angezettelt, Unzufriedenheiten geschürt, religiöse und ethnische Spannungen ausgenutzt – kurz gesagt wird das Prinzip des „Teile und Herrsche“ global angewandt.

Parallel dazu hat sich der alte Kolonialismus nach seiner Abschaffung in einer anderen Form wieder etabliert, in rücksichtsloser wirtschaftlicher Ausbeutung durch Großkonzerne. Und die Kriege dienen nicht nur dem Kampf um die Macht, sondern auch der Schaffung von Absatzmärkten für die Waffenindustrie, die ein in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannter, aber extrem lukrativer Wirtschaftszweig ist. Und hier ist Deutschland weltweit einer der Hauptakteure.

Damit sind wir bei der zweiten Facette, dem Zustrom an Flüchtlingen. Dieser ist die Folge eines einfachen, aus der Physik bekannten Gesetzes – der Verdrängung. Wenn man etwas Wasser in ein Glas füllt und ein kleineres Glas hineindrückt, dann bewegt sich das Wasser in die Richtung, aus der der Druck kommt. Dieser Druck besteht aus Kriegen aller Art, also aus ethnischen, religiösen, wirtschaftlichen und politischen. Einen Teil der Grundlagen dafür hat Europa frühzeitig mit dem Kolonialismus und der vor allem religiösen Missionierung und wirtschaftlichen Ausbeutung gelegt. Und auf die eine oder andere Art schürt Europa zusammen mit seinen Verbündeten viele von diesen Kriegen. Wir üben einen Druck aus, und als Folge davon gibt es Flüchtlingsströme, die sich entgegen der Druckrichtung bewegen. Dass der Großteil davon sich auf Europa zubewegt liegt einfach nur daran, dass Amerika zu weit weg ist.

Das wirklich einfache Heilmittel für dieses Problem sollte jedem Physiker und jeder Physikerin und jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand klar sein: Man muss nur den Druck wegnehmen, und die Menschen bleiben wo sie sind, also Einstellung jeglicher Art von Kriegsförderung und -führung (wirtschaftlich, sozial, religiös, militärisch, geheimdienstlich …) und Verzicht auf Ausbeutung, Hegemonialstreben und Imperialismus.

Nun ist die Lage so wie sie ist, und Politiker aller Art sind fleißig bestrebt, diesen Druck weiter zu erhöhen und auf einen Dritten Weltkrieg hinzuarbeiten. Und solange wir daran nichts ändern können, müssen wir versuchen, bestmöglich mit der Lage umzugehen, die darin besteht, dass die Zahl der Flüchtlinge solange zunehmen wird, wie die verschiedenen Mächte und Kräfte und Ideologien ihre Heimat als Spielwiese benutzen. Wie gehen wir also mit der Situation um? Wo sollen die Flüchtlinge hin?

Saudi-Arabien hätte zwar Unterbringungsmöglichkeiten, Infrastruktur und genügend Mittel, betrachtet sie aber nicht als Brüder, weil sie nicht der extremen wahabitischen Form des Islam anhängen. Und die meisten Flüchtlinge wollen weder mit fundamentalistischem noch extremistischem Islam oder Pseudo-Islam oder dem politischen Islam etwas zu tun haben. Und die anderen islamischen Länder im Nahen Osten und Afrika werden entweder mit Krieg überzogen und/oder leiden an ethnischen Spannungen und/oder können die Flüchtlinge nicht versorgen – aus den bekannten Gründen. Also ist Europa der natürliche Ausweg. Und der Humanismus wie auch das Christentum, um dessen Werte viele Menschen so fürchten und das im Großteil Europas vorherrscht, gebieten uns, sie aufzunehmen, wenn wir diese Werte tatsächlich und nicht nur als Lippenbekenntnis schätzen, und wenn wir uns nicht als Monster entpuppen wollen. Dass dies aufgrund der heftigen Unterschiede in Sprache und Kultur nicht ganz einfach werden wird, steht außer Frage.

Die deutsche Bundeskanzlerin, die sich gerne um Entscheidungen drückt und der Aussitzkultur ihres Vorgängers frönt, hat, vielleicht unter dem Druck der Bündnispartner, die Deutschland und Europa gerne destabilisiert sehen würden, aber sicherlich nicht aus christlichen oder partei-christlichen Erwägungen heraus und ohne Absprache mit den europäischen Partnern, die ohnehin Jahre dauern würde, einseitig die Grenzen geöffnet. Dass Deutschland jetzt mit der Flüchtlingsproblematik weitgehend alleine dasteht, hat damit und mit der europäischen Abschottungstendenz aber nur zum Teil zu tun. Frankreich hat durch seine Kolonien und durch seine Fremdenlegion einen hohen Ausländeranteil, der nie wirklich integriert wurde und darum Probleme verursacht. England hat durch den Zuzug aus Commonwealth-Staaten ähnliche Probleme, gepaart mit einer isolationistischen Tendenz und weiterhin vorhandenen Großmachtsträumen. Italien und Griechenland haben als Grenzländer bereits genug zu tun und sind finanziell auch angeschlagen, vor allem Griechenland, das von den großen Wirtschaftsorganisationen testweise systematisch zugrunde gerichtet wurde. Und das große Land Polen, das zunehmend Wahnvorstellungen erliegt und Probleme mit der Umsetzung und Verankerung der Demokratie hat, träumt zwar von Größe, hat aber keine Erfahrung mit Weltoffenheit und ist in einem engen religiösen und nationalistischen Denken gefangen, das keine wirkliche Nächstenliebe zulässt. Also bleibt im Wesentlichen Deutschland übrig.

Und auch in einem Teil der deutschen Bevölkerung zeigt sich Unmut, der aber nicht zu einer Anstrengung und dem Willen führt, das Leiden auf der Welt zu beenden, also Ursachen zu beseitigen, sondern die Flüchtlinge draußen zu halten und sie fernab in Lagern zu internieren, damit sie diesen Bevölkerungsteil nicht aus seiner Ruhe und Lethargie reißen und zum Nachdenken bewegen können. Wenn es nach ihnen ginge, würden die Grenzen einfach dicht gemacht und alle Flüchtlinge nach außerhalb der Grenzen verfrachtet werden, ganz egal was dort mit ihnen geschieht.

Die Macht dazu hätten wir sicher – und früher oder später würde das zu einem Krieg an den europäischen Außengrenzen führen –, aber hinter dieser Forderung steht ein völlig falsches Verständnis von Macht. Macht wird gerne mit Autokratie, Allmacht und grenzenloser Freiheit assoziiert und in Form von Rücksichtslosigkeit ausgeübt. Die meisten Großmachtregierungen, afrikanischen Herrscher und nahöstlichen Sultane und Quasi-Diktatoren sowie die globalen Wirtschafts- und Finanzmächte huldigen dieser Auffassung. Doch der eigentlichen Ethik der Macht zufolge ist diese Macht an Verantwortung gebunden. Wenn man Macht hat, kann man nicht einfach tun was man will – Macht muss immer und ausschließlich zum Wohle aller eingesetzt werden, sonst verliert sie ihre Legitimation und wird zur Tyrannei. Deutschland ist in gewisser Weise in mächtiges Land und muss sich darum für das Wohl aller einsetzen und darf nicht der Haltung der drei „weisen“ Affen frönen, die nichts hören, nicht sehen und nichts sprechen. Wir müssen zuhören, die Lage betrachten und uns dafür einsetzen, dass sie für jeden besser wird; wir brauchen hier weder unbescheiden noch arschkriecherisch zu werden – es mag ein kleines Land sein, aber es ist nicht unbedeutend und es braucht sich auch nicht dem Kriegsstreben von Großmächten und Wirtschaftsinteressen unterordnen.

Wir haben also jetzt einen Zustrom von Flüchtlingen für den wir und wesentliche Teile der Weltgemeinschaft selbst verantwortlich sind und dessen Ursachen zu beseitigen wir eigentlich keinerlei, wirklich KEINERLEI ernsthafte und konzertierte Anstrengungen unternehmen. Um diesen Zustrom müssen wir uns auf bislang nicht absehbare Zeit kümmern, denn wir können ihn nicht einfach ignorieren.

Dabei sind die Flüchtlinge keine homogene Masse, sondern ein sehr heterogenes und zum Teil auch explosives Gemenge. Sie entstammen verschiedenen Kulturen, die mehr oder auch weniger weltoffen (nach europäischem Maßstab) sind, haben verschiedene Religionen (vorwiegend islamisch und christlich) und Sprachen und unterschiedliche Sozialauffassungen und -normen (Frauen, Sexualität). Und sie bringen einen Teil ihrer Probleme, z.B. ethnische und inter- und innerreligiöse Streitigkeiten mit sich. All dem müssen wir Rechnung tragen. Und wir müssen uns auch darüber im Klaren sein, dass diese Menschen in gewissem, wenn auch geringem Umfang auch Einfluss auf unsere Kultur nehmen werden, wie das immer der Fall ist, wenn sich Kulturen vermischen.

Das ist nicht unbedingt schlecht und kann sogar zu einer Bereicherung führen, sollte aber nicht gänzlich ungesteuert ablaufen. Darum sollte die Integration der Flüchtlinge bewusst geführt und gefördert werden (z. B. obligatorische Sprach- und Sozialkurse, Gelegenheiten zum Austausch) und nicht so ablaufen, dass wir z. B. die gleichen Probleme bekommen, die Frankreich mit seinen Immigranten hat.

So sollte zum Beispiel eine längst überfällige Diskussion über das Verhältnis von Staat und Religion stattfinden. Zwar gibt es in Deutschland, wie in wahrscheinlich allen europäischen Staaten, eine formelle Trennung von Staat und Kirche, aber diese ist bislang noch nicht wirklich umgesetzt worden. So treibt der Staat für die christlichen Kirchen (aber nicht für andere Religionen) Kirchensteuer ein, er bezahlt Kirchenangestellte und fördert kirchliche Institutionen, er gewährt Kirchenvertretern ziemlich viel Gehör, obwohl bereits ein Drittel der Bevölkerung religionslos ist (mit steigender Tendenz), und er erlaubt religiös ausgerichtete politische Parteien. Außerdem findet im Rahmen der schulischen Ausbildung auch christlicher Religionsunterricht statt. Dieser müsste eigentlich in der jetzigen Form abgeschafft und durch einen Ethikunterricht ersetzt werden, in dem umfassend und neutral über alle Religionen informiert wird und in dem darüber hinaus vor allem eine Ethik vermittelt wird, die über den Dogmatismus der Religionen hinausreicht und am Menschen und seinem Verhältnis zueinander, zur Gesellschaft, zur Welt und zum Universum orientiert ist. Hier würden also ethische Aspekte von Wirtschaft, Politik, Umwelt, Zusammenleben, Sexualität usw. zur Sprache kommen. Das sind wichtige Inhalte, die bis jetzt extrem vernachlässigt werden, die jedoch für eine sich immer stärker und schneller wandelnde und interagierende Welt, sei es durch Technologie, Völkerwanderungen oder Kulturschocks, wichtig sind, um dem Menschen zu helfen, besser zu einem konstruktiven Miteinander, zu einem besseren und differenzierteren Verständnis der Welt und ihrer Bewohner und auch von sich selbst zu gelangen.

Ein Problem, das viele Menschen besonders beunruhigt ist der Islam. Das Wort Islam bedeutet auf Deutsch „Überantwortung“ und zeigt die Absicht und die ursprüngliche Natur dieser Religion auf, sich Gott zu geben, was ein wichtiger Aspekt einer jeden Religion sein sollte. Dass ein Name und eine Absicht die Umsetzung nicht immer bestimmen, konnten und können wir nicht nur im Islam, sondern auch im Christentum immer wieder neu beobachten, wo diese Überantwortung praktisch nicht an Gott geschieht, sondern an Heilige Schriften und Institutionen, was ein Kernproblem jeglicher Religion ist. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Islam nicht vom Christentum oder vom Judentum. Diese Beobachtung kann uns zwar nicht völlig beruhigen, führt aber doch zu der Erkenntnis, dass auch im Islam nur mit Wasser gekocht wird und Fehler gemacht werden.

Was die Menschenrechte, die Stellung der Frau, die Kultur und die Weltoffenheit angeht, so war der Islam im Mittelalter führend, und auch der wissenschaftliche Fortschritt (z. B. in der Medizin) war in jener Zeit in den islamischen Ländern beheimatet. Als die Mauren damals die spanische Halbinsel zum Teil eroberten, führte das dort zu einer Zeit des Friedens und der kulturellen Blüte und keineswegs zu Schreckensherrschaft und Zwangsmuslimisierung – zumindest bis sie wieder vertrieben wurden.

Die Entwicklung, die der Islam seither genommen hat, gleicht einem Abstieg, und daran ist die westliche Kultur und die christliche Missionierung zu einem nicht unwesentlichen Teil mitbeteiligt. Das lässt sich sehr gut am Beispiel des Umgangs mit der Homosexualität zeigen. Obzwar irgendwie verboten, waren die Regeln doch dergestalt, dass es fast unmöglich war, dafür verurteilt zu werden. Homosexualität war ein nicht überall gern gesehener Bestandteil des Lebens und der Kultur, aber selbst angesehene Schriftgelehrte und Kalifen, die Bewahrer des Glaubens, verfassten homoerotische Gedichte. Das änderte sich mit dem Beginn der Kolonialisierung und der christlichen Missionierung. Auch im Christentum gab es eine Phase, die ca. 1000 Jahre anhielt, in der die Homosexualität nicht als Problem betrachtet wurde. Erst als das politische Christentum die Möglichkeit entdeckte, die Sexualität und vor allem die Homosexualität als Werkzeug benutzen, begann ein Wandel einzusetzen, der schließlich in der viktorianischen Geisteshaltung kulminierte, welche jegliche Sexualität (und auch die Selbstbefriedigung) als schmutzig und besonders die Homosexualität als verdammenswert behandelte und so die Lebensfreude eines ganzen Zeitalters und der nachfolgenden beeinträchtigte.

In den christlich geprägten Nationen sind wir gerade mühevoll dabei, uns von dieser Geißel des Hasses, der Ablehnung und des Unverständnisses wieder freizumachen, aber die islamische und afrikanische Welt hinkt hier nach. Hier breitete sich mit der Missionierung und westlicher Kultur auch ein gewisser Hass auf die Homosexualität aus, und auch die Stellung der Frau wurde spätestens durch die antiquierte Haltung der Missionare, wieder geschwächt. Als das Christentum auf dem afrikanischen Kontinent und in der übrigen Welt etabliert wurde, geschah dies in seiner schlimmsten und rückständigsten Form, und wie es bei Konvertiten üblich ist, bemühen sich die „bekehrten“ afrikanischen Kulturen besonders um die Reinheit des „Glaubens“, so dass die Entwicklung in der westlichen Welt hier keinen Einzug fand und die viktorianische Moralauffassung heute in großen Teilen Afrikas als urafrikanisch gilt. Durch diese Gehirnwäsche änderten sich die gesellschaftlichen Werte, und der Islam bzw. die islamische Kultur übernahmen Teile dieses neuen Wertekanons und begannen, sich zurückzuentwickeln.

Man kann also sehen, das viele Probleme, die muslimische Flüchtlinge mit sich bringen, nicht urislamisch oder urchristlich sind, sondern erst von der Kultur unserer Altvorderen in die Welt gesetzt wurden. Man muss also keinen Kampf gegen den Islam führen, was nichts Gutes bewirken wird, sondern muss sich vor allem darum bemühen, jene unserer Werte zu vermitteln, die auch tatsächliche Werte darstellen, und das nicht auf religiöser Basis, sondern auf humanistischer, überreligiöser Basis. Und wir sollten auch offen sein, Impulse und Werte, die unser humanistisches System bereichern können zu integrieren. Jede Kultur hat ihre guten und ihre schlechten Seiten. Man sollte bei jedem Zusammentreffen nicht versuchen, die schlechten Seite zu kombinieren, was zu einer Radikalisierung führt (hier kann man bereits Anzeichen beobachten), sondern das Beste von beiden, was zu einer kulturellen und gesellschaftlichen Blüte führen kann.

Die Religionen sind durchaus fähig, sich anzupassen – wenn sie dies wollen und es genügend Anreiz dafür gibt –, denn in jeder Heiligen Schrift gibt es so viele z. T. widersprüchliche Aussagen, dass man immer etwas findet, was eine bestimmt Haltung untermauert. So gesehen ist der Islam genauso friedensfähig wie das Christentum, sofern man ihre politischen und elitären Komponenten loswerden kann. Wie und ob sich die muslimischen und christlichen Flüchtlinge in unsere Gesellschaft integrieren werden, hängt also nicht primär von der Religion ab, sondern von unserem Umgang mit den Flüchtlingen und von unserer Fähigkeit und unserem Willen, wichtige Werte zu vermitteln.

Das kann mit Kursen und kombinierten Gesprächskreisen geschehen, sobald die jeweilige Landessprache hinreichend beherrscht wird. Vorab sollte aber gleich von Anfang an eine grundsätzliche Aufklärung über unsere Kultur und Erwartungen und ihre Möglichkeiten in ihrer Muttersprache erfolgen, z. B. in Form einer Broschüre, was in gewissem Umfang auch schon geschieht. Aber Gesprächskreise sind unerlässlich, denn Vieles, was den Migranten selbstverständlich erscheint, ist bei uns gar nicht selbstverständlich. So ist Tanz häufig eine reine Männerangelegenheit, was von den unverständigeren Teilen unserer Bevölkerung gern als schwul betrachtet wird, und tanzende Frauen verlieren die Achtung der Männer und gelten vermutlich als Flittchen oder Freiwild.

Auch wenn Flüchtlinge nach der Heim-Phase ins reale Leben wechseln, gilt es Fallstricke zu vermeiden, um nicht französische Zustände heranzuzüchten. Frankreich hat durch seine Kolonien und die Fremdenlegion eine lange Tradition der Aufnahme von Menschen aus fremden Kulturen. Aber durch Nicht-Beachtung soziologischer Gesichtspunkte haben sie sich mit den überwiegend von Immigranten bewohnten Trabantensiedlungen aus lauter konzentrierten Wohnanlagen, den Banlieus, einen gärenden Konfliktherd herangezüchtet. Die Stichpunkte hier sind ethnische Konflikte, Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung, die Dunbarsche Zahl und Tipping Points – oder anders gesagt muss man sehr darauf achten, keinerlei Ghettos zu schaffen, denn diese sind das Ende jeglicher Integrationsbemühungen.

Der wichtigste Punkt hierbei ist die Beachtung der Tipping Points. Diese sind Grenzzustände, deren Über- oder Unterschreitung einen starken Verhaltens- und Einstellungswandel nach sich ziehen. Ihre Erforschung steckt leider noch in den Kinderschuhen, aber Soziologen können wahrscheinlich trotzdem Tipps geben. Als Faustregel kann man mit einem Verhältnis von 4:1 rechnen, aber ein größeres Verhältnis von vielleicht 10:1 oder 20:1 ist – auch hinsichtlich wachsender Fremdenfeindlichkeit – sicherlich sinnvoller. Das bedeutet, dass in einem Wohnblock oder einer Wohnanlage nie mehr als 20 % Migranten leben sollten, wenn man nicht eine Blockbildung und ein Gegeneinander fördern möchte. Je höher der prozentuale Anteil an Migranten in einem Gebiet ist, desto mehr fühlen sich auf der einen Seite die Einheimischen bedrängt, und auf der anderen Seite werden die Migranten bei zu hohem Anteil dazu neigen, sich zusammenzutun, was im Extremfall zu Erscheinungen wie Chinatown oder Little Italy führt, wo es trotz deren langer Existenz immer noch Menschen geben soll, die die Landessprache nicht beherrschen und in denen eigene Regeln gelten, mit der Neigung unter sich zu bleiben und ihre alte Kultur in übertriebener Weise zu bewahren, also zu überkompensieren. Für eine wirkliche Integration ist also auch eine räumliche Integration und keine Isolation essenziell.

Ein bekannter Tipping Point ist die Dunbarsche Zahl von 150. Dies ist die maximale Zahl von Menschen, mit denen man unter normalen Umständen eine Gemeinschaft bilden kann. Jenseits dieser Zahl sinken Gemeinschaftsgefühl und Solidarität rapide ab, und das Miteinander wird durch das Gegeneinander ersetzt. Dieser Tipping Point ist etwas, das der moderne Städtebau bisher sträflich vernachlässigt. Im Zusammenhang mit den Flüchtlingen ist er im Augenblick vor allem für die Heim-Unterbringung der Auffangstationen von Bedeutung. Diese sollten nur für maximal 150 Personen ausgelegt sein, und deren Zusammensetzung sollte soweit möglich einigermaßen repräsentativ sein. Der schlimmste Fehler, den man hier machen kann, wäre, Gruppen aus alleinstehenden jungen Männern zusammenzufassen. Die Anwesenheit eines Mindestanteils von Frauen, Kindern und alten Menschen, die einem eigenen Tipping Point entspricht, indem sie ein Stabilität, Sicherheit, Normalität und Geborgenheit vermittelndes soziales Grundgerüst darstellt, ist entscheidend für eine gute Stimmung und die Bereitschaft zur Integration.

Wenn man dagegen ein Übergewicht von jungen Single-Männern in einer Gruppe konzentriert, lädt man Probleme förmlich ein, denn die hormonell verursachte Unvernunft und Imponiergehabe und Machotum verbunden mit der Unsicherheit ihrer Situation und einer mindestens latenten Homophobie findet kein Korrektiv mehr in traditionellen Strukturen. Hinzu kommt der vergleichsweise locker bis sexuell povokant wirkende europäische Lebensstil und der dadurch vermittelte falsche Eindruck, alles zu dürfen und hier nicht an traditionelle Regeln gebunden zu sein. Wenn man solcherart die Entwurzelung und die sexuelle Frustration fördert, kommt des leicht zu Gewalt und zu sexuellen Übergriffen. Wenn man hier nicht auf die militärische Form der Disziplinierung zuurückgreifen will, muss man den Tag mit Unterricht (vor allem auch über unsere sozialen Normen und unsere Kultur), mit Bewusstseinsentwicklung und mit Wettkampfsport und Spielen füllen. Damit soll zum einen ein Gemeinschaftsbewusstsein auf erhöhtem Niveau gefördert werden, zum anderen aber soll auch das Wissen vermittelt werden, dass hier genauso strenge Regeln gelten, wie überall auf der Welt. Der Unterschied besteht darin, dass in ihrer alten Heimat die sozialen Normen zum Teil an äußeren Hilfsmitteln hingen, also Verschleierung, Geschlechtertrennung und starke Regelementierung von Kontakten zwischen den Geschlechtern, während man hier in Europa von klein auf lernen muss, mit sexuellen Reizen umzugehen, was auch eine aktivere Form der Bewussseinsentwicklung ist.

Dieser Lernprozess muss nicht einseitig sein. Nicht nur die Flüchtlinge müssen lernen, auch wir müssen lernen, uns neuen Horizonten und Möglichkeiten öffnen und im Bewustsein wachsen. So wird bei uns schon lange über Missstände geklagt: soziale Kälte, mangelnde Förderung, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsprobleme usw. Dass die Flüchtlinge plötzlich von der Politik umsorgt und für sie Mittel locker gemacht werden, während für die heimische Bevölkerung nichts getan wird, stößt vielen sauer auf und führt zu Ressentiments gegen Flüchtlinge. Das ist ein Krieg „Wir gegen die“, der völlig unnötig ist. Der Staat und die Bevölkerung könnten in einem ersten Schritt die Flüchtlingskrise zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, wie endlich soziale Gerechtigkeit hergestellt werden kann – für Einheimische UND Flüchtlinge zusammen – und wie man im nächsten Schritt Gesellschaft, Wirtschaft und Politik reformieren und die aggressive und kalte kapitalistische Leitkultur, die für die meisten unserer Probleme verantwortlich ist, durch eine humanistische ersetzen könnte. Gemeinsame Wohn-, Arbeits- und Lebensprojekte wie Öko-Habitate mit dem Ziel eines gemeinschaftlichen Miteinanders statt einem kapitalistischen Gegeneinander wären hier zum Beispiel eine sinnvolle Sache und ein lohnendes Ziel, das auf die ganze Nation und schließlich auch auf die ganze Welt ausstrahlen könnte.

Die Flüchtlingskrise ist kein primäres Problem der Flüchtlinge, das diese uns aufzwingen, sondern ein Symptom für eine immer mehr aus dem Ruder laufende Welt, das uns dazu bringen sollte, nicht nur einzelne Brandherde akut zu bekämpfen, sondern ein Bewusstsein für das große Bild zu entwickeln und dieses neu zu malen und das kaltschnäuzige Gegeneinander durch ein warmes, liebevolles, progressives, humanistisches und zukunftsfähiges Miteinader auf globaler Basis zu ersetzen. Es ist immer leicht, passiv gegen etwas zu sein, aber die Hoffnung für die Zukunft liegt darin, im Bewusstsein und in der Liebe zu wachsen und sich aktiv für eine neue und bessere Welt einzusetzen.

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