Kapitel 1: Öko-Habitate

Die Ökologie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen und dem Gleichgewicht biologischer Systeme, auch in Bezug auf nicht-biologische Faktoren, vereint also Fragen der Biologie zum Beispiel mit Umwelt- und Klima-Wissenschaften und letztlich auch mit der Zukunftsforschung. Kleine biologische Systeme sind etwa Bienenstöcke oder Teichbiotope; große biologische Systeme sind Steppenlandschaften, Atolle, Dschungel, Wüsten, Kontinentalbewaldung, Flusssysteme… Auch Populationen von Pflanzen und Tieren stellen interagierende biologische Systeme dar. Wenn sich die Lebensprozesse all dieser überlappenden Systeme in Einklang befinden, ist die Ökologie in Ordnung, ist das größte biologische System, die Erde, gesund.
Nimmt der Einfluss eines dieser Systeme überhand, gerät das Gesamtsystem lokal oder global aus dem Gleichgewicht. Je nach der Art und Intensität der Abweichung dauert es entsprechend lange, bis das alte Gleichgewicht wiederhergestellt ist oder ein neues gefunden wird; je größer die beeinträchtigten Systeme sind, desto länger dauert das Einpendeln auf ein neues Gleichgewicht. Das kann ohne weiteres Jahrtausende dauern und im Fall von globalen Störungen wie Eiszeiten oder Hitzeperioden oder Ausbrüchen von Megavulkanen noch wesentlich länger und durchaus zum Aussterben ganzer Arten führen. Und da immer irgendetwas passiert, ist die Natur eigentlich permanent mit dem Nachregeln beschäftigt.
Das jüngste Ereignis, das zu heftigen Störungen im Gleichgewicht der Natur geführt hat, ist das Auftauchen der Spezies Mensch. Eine neue Spezies ist an sich nichts Schlimmes. Normalerweise taucht sie auf, erobert sich eine ökologische Nische und lebt dann so friedlich vor sich hin, wie es ihr den Umständen entsprechend halt möglich ist. Mit dem Menschen dagegen lief dieser Vorgang nicht so glatt ab. Er brachte ein neues Element ins Spiel, das es bis dahin noch nicht gab, und dem keine der anderen Spezies auf Dauer etwas entgegensetzen konnte und das durchaus dazu führen kann, dass diese noch sehr junge Spezies auch sehr bald wieder das Spielfeld von Mutter Natur verlassen muss: ein reflektierendes Egobewusstsein.
Ohne diese Fähigkeit, bewusst zu denken und sich als Individuum wahrzunehmen, hätte der Mensch die irdische Bühne wahrscheinlich in kürzester Zeit wieder verlassen, denn eigentlich mangelt es ihm an allen körperlichen Attributen erfolgreicher Spezies: Er kann keine Flut von Kindern in die Welt setzen, die in kürzester Zeit flügge werden, er ist nicht schnell, nicht stark, hört, sieht und riecht schlecht… So gesehen scheint er es einem Wunder zu verdanken, dass es ihn noch gibt, und zwar besagtem reflektierenden Egobewusstsein.
Im Gegensatz zu allen anderen Wesen auf dieser Erde ist der Mensch sich seiner selbst als von anderen abgetrenntes und verschiedenes Individuum ausgesprochen bewusst. Er kann die instinktgeprägten Pfade verlassen und neue Wege gehen. Er kann jenseits Pawlowscher Reflexe lernen und diese Lernprozesse auch noch forcieren. Er kann gelernte Dinge in unendlich viel größerem Maße an seine Mitmenschen weitergeben und von ihnen lernen als jede andere Spezies. Er kann Problemstellungen formulieren und systematisch nach Lösungen dafür suchen. Er hat ein Konzept der Zukunft, das über das Anlegen von Vorräten für das nächste Jahr hinausreicht. Er hat die Möglichkeit größere, komplexere Zusammenhänge zu erkennen. All diese Fähigkeiten haben ihn, trotz aller körperlichen Mängel, zu einem Erfolgsmodell gemacht. Und wenn er sich ihrer konsequent bedienen würde, würde er das auch ­bleiben.
Aber trotz all dieser Fähigkeiten ist der Mensch noch nicht der wahre Mensch, der die Möglichkeiten, die in ihm stecken, ausgeschöpft hat. Der Mensch ist immer noch eine tierische Spezies, die all diese wunderbaren Fähigkeiten wie ein Tier anwendet – oder schlimmer. Mit all diesen Fähigkeiten ist es ihm gelungen, Fallen zu bauen, um Tiere zu fangen, gegen die er eigentlich keine Chance hätte, und Waffen, um sich zu verteidigen. Er hat Getreide angebaut und verbessert, um nicht von Zufallsfunden abhängig zu sein. Er hat sich Kleidung gemacht und Häuser gebaut, um in jedem noch so tödlichen Klima überleben zu können. Doch dabei ist es nicht geblieben. Von einer Spezies unter vielen ist er zur dominierenden Spezies geworden, die von anderen nicht mehr im Zaum gehalten werden kann und die damit über dem natürlichen Gleichgewicht steht, also keinen Gegenpol hat. Der Mensch kann im Grunde genommen machen, was er will, weil es keine Macht gibt, die ihm irgendwie Einhalt gebieten könnte.
Alles, was der Mensch macht, macht er nicht nur, weil er es braucht, sondern auch, weil er es kann oder weil er sich einen zukünftigen, nur scheinbar materiellen Nutzen verspricht (Geld) oder um seine Stellung als möglicher Herdenprimus zu stärken (Macht) oder weil er glaubt, damit mehr Chancen auf Fortpflanzung zu haben (Sex). Was den Menschen bewegt, hat seine Wurzeln also in seinem tierischen Erbe. Die meisten Tiere töten, um ihre Ernährung sicherzustellen, und kämpfen direkt um das Amt an der Spitze und das Recht auf Fortpflanzung. Der Mensch benutzt dazu seine mannigfachen Fähigkeiten, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste und ohne aufzuhören, wenn er sein Ziel erreicht hat.
Wir haben also jetzt den Menschen mit seinen überragenden Fähigkeiten, die er in tierischem Getriebensein ausschließlich für seine eigene Befriedigung einsetzt. Im sogenannten natürlichen Gleichgewicht hat jede Spezies ihren Platz und nimmt und gibt dementsprechend. Und diese, wenn auch nicht bewusste, ­Zusammenarbeit hat nun schon über viele Hundert Millionen Jahre Bestand. Der Mensch ist die erste Spezies, die sich, zumindest in etwa den letzten zehntausend Jahren, zunehmend aus diesem Zusammenspiel gelöst hat.
Durch zunehmend besseres medizinisches Wissen ist die Kindersterblichkeit immer weiter zurückgegangen. Dass dies bei gleichbleibenden Geburtenraten zu einem exponentiellen Bevölkerungswachstum führt, sollte eigentlich seit den mathematischen Erkenntnissen der Antike kein Geheimnis mehr sein. Aber die Tiernatur des Menschen kennt dafür kein Regulativ, und die meisten Menschen folgen lieber ihren Instinkten als dem Verstand. Und erst in jüngster Zeit hat, vor allem in den westlich geprägten Gesellschaften, die Kombination aus Verhütungsmitteln, Bewusstwerdung und Bequemlichkeit einen regulierenden Einfluss.
Man kann also sehen, dass das Wissen da ist, aber ohne einen handfesten Grund wird es nicht eingesetzt werden. Und selbst mit einem Grund wird es üblicherweise ziemlich lange dauern, bis eine konkrete, wenn auch meist eher halbherzige Bemühung daraus erwächst. Und so ist die Stärke des Menschen auch seine Schwäche. Das, was ihn als Spezies groß gemacht hat, hat auch das Potenzial, ihn zu vernichten: seine Fähigkeit, auf die Natur Einfluss zu nehmen.
Viele Jahrtausende lang hat der Mensch sich ungestraft praktisch unbegrenzt ausbreiten können. Er hat dabei seine unmittelbare und zunehmend auch weitere Umgebung in immer größerem Maße geformt. Und er hat dabei feststellen müssen, dass er nicht unbegrenzt in die Ökologie des Planeten eingreifen kann. Als Schottland und der Balkan für den Bau von Schlachtschiffen abgeholzt wurden, wurden die jeweiligen Ökosysteme massiv geschädigt, und Erosion wie auch Schaf- und Ziegenzucht verhinderten nachhaltig eine Regeneration der Landschaft. Andere Landschaften wurden durch Versalzung infolge künstlicher Bewässerung unbewohnbar, und die Sahara wächst auch nicht nur wegen klimatischer Veränderungen, und Spanien wird wegen fehlgeleiteter Landwirtschaft und kurzfristigem Gewinnstreben bald zur Wüste, wahrscheinlich gleichzeitig mit der amerikanischen Kornkammer. Und die südamerikanische grüne Lunge und Klimamaschine Regenwald wird für kurzfristigen Sojaanbau auf schnell unfruchtbar werdenden Tropenböden abgeholzt. Hinzu kommt eine weltweit seit über hundert Jahren zunehmende Umweltverschmutzung, die unser Klima, und das globale Ökosystem insgesamt, extrem gefährdet. Der Anstieg des Meeresspiegels und noch zunehmende Hungerkatastrophen sind abzusehen, aber immer noch dominiert kleinkariertes Gewinn- und Machtstreben gegen den aktiven Einsatz für unser fragiles Ökosystem, buchstäblich nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut!“
Wenn sich an dieser Situation etwas ändern soll, dann sind grundlegende Änderungen notwendig. Es nützt nichts, an Teilaspekten herumzulaborieren, während sich vielleicht unbemerkt die nächste Katastrophe anbahnt. Wenn man wirklich etwas ändern will, dann muss man darangehen, das Wachstum einer neuen Welt mit neuen Menschen zu fördern. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen – das wird viele Generationen dauern, und es wird viel Geld kosten. Aber wenn wir nicht gleich beginnen, wird es nie so weit kommen.
Das Wort Öko dient zwar eigentlich nur als Abkürzung für Ökologie, aber man kann es doch auch für Ökonomie verwenden, auch wenn die beiden immer wie feindliche Brüder gegeneinander ausgespielt werden und als unvereinbar gelten. Dass sich die beiden nicht ansehen können, liegt vielleicht nur daran, dass sie zwei Seiten einer Münze sind. Und diese Münze ist unsere Lebenssituation auf der Erde.
Ob frühere Generationen auf diesem Planeten nun einfühlsam und bewusst mit der Natur zusammengearbeitet haben, kann man heute eigentlich nicht mehr zuverlässig sagen. Es wird wie immer solche und solche Menschen gegeben haben. Aber mit den damaligen Mitteln konnte man allenfalls mal einen Landstrich verwüsten. Man war nicht wirklich gezwungen, mit der Natur in Einklang zu leben und auf sie Rücksicht zu nehmen, weil sie einfach schneller nachwuchs, als der Mensch sie zerstören konnte. Und das Interesse für langfristige und systematische Beobachtungen setzte erst spät ein. Es gab also lange Zeit kein wirkliches ökologisches Bewusstsein. Die Bemühung um das Wissen von natürlichen Gesetzmäßigkeiten im Umgang mit Pflanze, Boden und Tier kam vermutlich erst mit dem Sesshaftwerden der bislang nomadischen Menschen in Gang. Der Grund dafür war aber nicht primär der Wunsch nach mystischem Einssein, sondern die schnöde Ökonomie.
Ökonomie bedeutet, dass man einen Bedarf für etwas hat, zum Beispiel Nahrung, und dafür sorgen muss, wie man diesen Bedarf decken kann. Zur Ökonomie gehört also die gesamte Infrastruktur, die zur Bedarfsdeckung nötig ist: Planung, Anbau, Pflege, Ernte, Verarbeitung, Verteilung, Verkehr, Geld, Tauschwaren, Angebot, Nachfrage… Wenn der Mensch sich mit der Natur beschäftigt, und wenn ihm etwas daran liegt, dass die Felder, die er mühsam gerodet und vorbereitet hat, auch nach vielen Jahren noch reichlichen Ertrag liefern, dann ist das kein primär ökologisches, sondern vor allem ein ökonomisches Interesse. Und dieses Interesse gilt nur den eigenen Feldern und nicht den Feldern der Nachbarn. Und eventuell gibt es noch ein Interesse daran, dass die Felder auch den unmittelbaren Nachkommen noch zugutekommen.
Seit die Zeiten schnelllebiger wurden und das Wertesystem von Familien-, Clan- und Stammesstrukturen sich zunehmend auflöst, schwindet auch das ohnehin nur schwache Gefühl von Verbundenheit und dass man Teil von etwas Größerem ist, um Platz zu machen für eine stärker werdende Egozentrierung und Kurz­lebig- und -sichtigkeit. Wurde das Land früher noch instinktiv oder unbewusst als Teil des eigenen Lebens aufgefasst, so hat es heute mehr den Charakter einer Ressource, und zwar einer unbegrenzten Ressource, so wie auch die Lufthülle als unbegrenzte Ressource galt, in die man alles ablassen konnte. Und jetzt haben wir ein Ozonloch, eine enorme Luftverschmutzung und eine zu hohe ­Belastung mit Substanzen, welche die Aufheizung des Klimas fördern. Und erst jetzt, nachdem man lange Zeit untätig zugesehen hat, wie das Kind in den Brunnen fällt, beginnt man zaghaft, ­darüber nachzudenken, ob man der Entwicklung etwas entgegensetzen kann und will, wobei es zwei Gruppen von Menschen gibt, die dem ablehnend gegenüberstehen: das sind auf der einen Seite die Blinden und Verstockten, die nicht wahrhaben wollen, dass sich die Welt in stetigem Wandel befindet und dass jegliches Wissen nur so lange wahr ist, bis es von noch größerem Wissen überholt wird, und auf der anderen Seite die Menschen, für die Imperialismus und Kapitalismus, also Macht und Geld, die einzig wahren Götter sind.
Diese Letzteren sind es, die an den Schalthebeln weltlicher Macht sitzen und diese entartete Selbstzweck-Ökonomie fördern, die nicht mehr das Ganze sieht, sondern nur noch Kennzahlen, kurzfristige Gewinne und maximale Ausbeute bekannter Rohstoffe und Technologien kennt, statt das Beste für die Welt im Auge zu haben. So wird es ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf genommen, dass Böden unfruchtbar werden, um Unkrautvertilgungsmittel und Dünger verkaufen zu können, oder dass die genetische Vielfalt der Grundnahrungsmittel zu einem konzernbestimmten Gen-Mono-Pool wird, von dem dann plötzlich Milliarden ehemals freier Menschen abhängig werden, weil sie ihr eigenes Saatgut aufgegeben haben und sich teures und nicht unbedingt gutes Hybridsaatgut nun mal nicht vermehren lässt, von Rechten, die plötzlich jemand anderes daran hat, ganz zu schweigen. Alles was in Politik und Wirtschaft unternommen wird, dient immer nur dem einen Zweck, nämlich Macht und Besitz anzuhäufeln und Abhängigkeiten zu schaffen. Und die Erde und die auf ihr lebenden Völker sind ihre Spielwiese.
Diese Menschen leben in ihrer eigenen abgeschlossenen Welt, und auch wenn sie gewisse Mechanismen und Zusammenhänge gut kennen, ist ihnen das wirkliche Leben fremd. Sie begreifen nicht, dass ihre Spielwiese unter Druck zurückschlagen kann und dass Macht und Besitz ausgesprochen vergänglich sind. Und sie begreifen auch nicht, dass man manche Dinge nicht ungeschehen machen kann, dass ihre Spielwiese die Grundlage unseres Lebens ist – Neustart ausgeschlossen.
Das bedeutet, es wird höchste Zeit, die Ökonomie zu erneuern oder ihre wahre Natur zu entdecken und zu verwirklichen. Dazu muss man wissen, was man möchte oder benötigt, denn daraus leitet sich die Natur der Ökonomie ab. Also muss man zuerst ein Ziel definieren, das mittels der Ökonomie erreicht werden soll. Das Ziel speist sich aus der Erkenntnis dessen, was bislang schiefgelaufen ist.
Schiefgelaufen ist, dass die Erde aufgrund ihrer schieren Größe und enormen Regenerationsfähigkeit als endlose Ressource angesehen wird, und dass die Ökonomie ein isoliertes, um nicht zu sagen elitäres Eigenleben führt, also kein Diener ist, sondern sich als Herr aufführt. Und schiefgelaufen ist außerdem, dass die Menschen sich nicht als Einheit betrachten, sondern ganz im tierischen Sinne als Konkurrenten und ihre Sichtweise darum begrenzt ist.
Die Erkenntnis, von der eine neue Ökonomie ausgehen muss ist, dass die Ressource Erde endlich ist, dass wir, trotz aller technologischen Fortschritte, auf Dauer gesehen von ihr abhängig, und ihre Pflege und Erhaltung darum vordringlich sind. Eine neue Ökonomie muss also als großes Ganzes die Erde und das Leben auf ihr, also Mensch und Natur, in den Mittelpunkt stellen. Dazu muss sie die Bedingungen optimieren, die es der Ressource erlauben, sich optimal zu entfalten.
Diese Bemühung wird dann unweigerlich zu einer weiteren Erkenntnis führen, nämlich dass Ökologie nichts anderes ist als praktizierte Ökonomie. Wir haben gesagt, dass Ökonomie die Verwaltungs- und Infrastruktur zur Bedarfsdeckung darstellt, die Bemühung um Optimierung der Beschaffung. Nichts anderes macht die Natur. Unzählige bekannte und mehrheitlich unbekannte Prozesse greifen ineinander, um jedes Lebewesen der Erde mit dem zu versorgen, was es zum Leben benötigt. Die Ökologie versucht diese Prozesse zu verstehen. Aufgabe der Ökonomie ist es, den Menschen in dieses System einzubinden, effizient und nachhaltig. Denn auch wenn der Mensch ein Kind der Natur ist, so hat er doch mit der Entwicklung des Verstandes ihre fürsorgliche Umarmung verlassen. Das ist aber kein Zurück-zur-Natur- oder Nieder-mit-dem-Verstand-Argument. Es geht nicht um einen Rückschritt, sondern um einen Fortschritt. Das mentale Element ist eine neue Errungenschaft der Natur, ein Evolutionssprung, der aber nicht in ihr Wirken integriert ist. Jede Spezies nimmt, was sie braucht, und wird von anderen in Schach gehalten, die es genauso halten. Einzig den Menschen weist niemand in seine Schranken; das kann nur er selbst, und das Instrument hierfür ist diese neue Fähigkeit, der Verstand. Es liegt an uns, so weiterzumachen wie bisher und von der Natur als Fehlentwicklung ausgemerzt zu werden oder mit unseren erwachenden Fähigkeiten, mit Herz und Verstand und stetig wachsendem Bewusstsein, zu einem Zusammenleben mit der ­Natur zu finden, das für beide einen Fortschritt bedeutet. Ökologie und Ökonomie sind die Wissenschaften, die wir dabei einsetzen müssen.
Nun hat Ökonomie im Speziellen auch noch, auf menschlicher Ebene, die Bedeutung der Geld- und Warenwirtschaft, und auf den ersten Blick scheint man das Duo Ökologie/Neue Ökonomie mit der monetären Ökonomie nicht in Einklang bringen zu können. Auf Gifte und Kunstdünger zu verzichten, bringt Produktionseinbußen, bestehende Kraftwerke abzuschalten und kurzfristig neue Technologien zur Energiegewinnung heranzuziehen, belastet die Volkswirtschaft, und Umstellungen in der Ernährung (mehr pflanzliche, weniger tierische Nahrung) sowie Konsumeinschränkungen werden die Menschen kaum freiwillig und frohgemut hinnehmen, von empfindlichen Börsenreaktionen auf verordnete Veränderungen mal ganz abgesehen. Aber das sind alles kurzfristige Überlegungen. Die Neue Ökonomie denkt langfristig, und langfristig ist letztlich alles machbar, man benötigt nur einen klaren Blick für das, was nötig ist, und man muss es vor allem wollen.
Nehmen wir zum Beispiel die gefährdete Bienenpopulation. Niemand weiß genau, was das beginnende Bienensterben verursacht. Die Varroa-Milbe ist sicherlich nur ein Teil davon. Ein anderer Teil ist wahrscheinlich die Belastung der Bienen mit den verschiedensten gefährlichen Substanzen, von denen vielleicht sogar jede unter den ohnehin dubiosen Grenzwerten liegt, die aber in ihrer Gesamtheit, Abbauprodukten, Interaktion und beträchtlicher Einwirkungsdauer in ihren Auswirkungen nicht zu kalkulieren sind. Nun hängt, vom Getreideanbau abgesehen, fast die gesamte Nahrungsmittelproduktion von den Bienen ab. Sollten die Bienenvölker drastisch zurückgehen oder gar aussterben, dann hat das Auswirkungen, die heftiger sind als jede Ölkrise, denn es gibt keine Technologie, welche die Arbeit der Bienen global ersetzen könnte. Und die Auswirkungen betreffen nicht nur den Anbau von Nutzpflanzen (da kann man mit massivem Einsatz von Arbeitskräften zumindest die Saatgutgewinnung sicherstellen, wenn auch nicht die Ernte von Obst und Fruchtgemüsen), sondern die Erhaltung aller Pflanzen, die auf Bienenbestäubung angewiesen sind, die Bäume, Blumen, ­Sträucher und Kräuter. Das ist ein Schaden, der sich in Geld nicht beziffern und vor allem auch mit Geld nicht ausgleichen lässt.
Und genauso wenig lassen sich die anderen stetig wachsenden Schäden mit Geld oder der dadurch finanzierbaren Technologie ausgleichen, seien es unfruchtbare Böden, ein ausgezehrter Genpool, an Kunststoffmüll eingehendes Meeresleben, ausgerottete Fischbestände, unfruchtbar gewirtschaftete Tropenböden, radioaktive Verseuchung, Klimakatastrophe… All diese Dinge kann man nicht mehr ungeschehen machen. Und all diese Dinge haben Kosten für die Volkswirtschaft und die Gesundheit zur Folge, die höher sind als der Gewinn, den unser absichtliches oder gedankenloses Fehlverhalten ermöglicht hat.
Und dieses Fehlverhalten ist manchmal wie ein Teufelskreis. In der Landwirtschaft etwa werden Herbizide, Insektizide, überzüchtete Sorten und Kunstdünger eingesetzt und das Leben auf den Feldern dadurch weitestgehend reduziert. Das Ungleichgewicht sorgt für das Auftreten von Polizei, Kriegsgewinnlern oder Plünderern (je nach Sichtweise), also zu erhöhtem Schädlingsbefall, der noch mehr Insektizide notwendig macht, gegen welche die Schädlinge immer schneller unempfindlich werden. Herbizide sorgen für eine Verminderung der Bodenfruchtbarkeit, und überzüchtete Sorten sind auf leicht verfügbaren Kunstdünger angewiesen und anfälliger für Schädlinge, so dass stärker gedüngt und gespritzt werden muss. Der ganze Chemieeinsatz verursacht Probleme, die zu noch mehr Chemie führen. Und daran verdienen einzig und allein die chemische Industrie und monopolistische Saatgutfirmen, die gerne Hand in Hand arbeiten. Dass man aus so einem Kreislauf auch ausbrechen kann, zeigen nicht nur die Biobauern, sondern auch das Beispiel einer skandinavischen Klinik, die steigende Resistenzen von Klinikkeimen, an denen nicht wenige Patienten erkranken, erfolgreich durch Verminderung des Antibiotika-Einsatzes bekämpft und damit das Konzept der De-Eskalation angewandt hatte.
Man kann also sagen, dass der Mensch zu viel und zu heftig in die Abläufe der Natur eingreift, sei es aus Profitgier, falsch verstandenem Ordnungssinn, Technokratie, nicht hinreichend verstandenen Zusammenhängen oder schlichtweg Dummheit. Wenn wir über die Zukunft nachdenken und darüber, wie wir sie so gestalten können, dass auch der Mensch in ihr eine Zukunft hat, dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten.
Die eine Möglichkeit führt in eine totale Technokratie, das technologische Paradies, in dem alles mit Energie und Technologie gemacht wird, ohne auf die Natur zu achten: Essen und Kleidung aus Reagenzgläsern, Tanks und Maschinen, die Rohstoffe dazu produziert von maßgeschneiderten, künstlichen Organismen und mit allem aufgepeppt, was das wachsende wissenschaftliche Wissen für notwendig erachtet, die Luft energieaufwändig gefiltert und das Wasser permanent recycelt und gereinigt. Soviel Aufwand kann man natürlich nicht für sechs bis zehn Milliarden Menschen betreiben, aber bis es so weit ist, wird sich die irdische Bevölkerung durch diverse Katastrophen drastisch reduziert haben.
Die andere Möglichkeit besteht darin, die menschlichen Möglichkeiten nicht nur in eine Richtung zu nutzen und zu entfalten, sondern zur Gänze. Der Mensch steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Evolutionär gesehen ist er eine noch sehr junge Spezies. Und eine seiner wichtigsten Eigenschaften ist die Fähigkeit zu lernen und zu verstehen, die noch lange nicht ausgereizt ist. Zur Zeit befinden wir uns in einer Epoche, in der es unglaublich viel zu lernen gibt. Wir haben jetzt die Möglichkeit, darüber zu reflektieren, was wir schon alles falsch gemacht haben, wo unser Charakter noch Mängel aufweist und wo wir noch zu triebgesteuert sind. Und wir haben außer dem Mentalwesen noch einen anderen, stark unterschätzten Schatz: Wir haben eine Seele. Das mag manchem zu mystisch sein oder zu verschwommen oder religiös. Aber es ist weder das eine noch das andere, es ist einfach nur ungewohnt, über die Seele zu sprechen, und dann versteht auch noch jeder etwas anderes darunter. Ohne allzu tief in das Thema einzutauchen, kann man sagen, dass sich die Seele in der Liebe äußert, im Mitgefühl, im Wohlwollen, in dem, was man Gewissen nennt, in der Freude und in der Bereitschaft zu geben.
Diese beiden Elemente, das Herz und der Verstand, bilden die Grundlage für diese zweite mögliche Entwicklung, in der es im Grunde genommen um die Schaffung des zweiten Paradieses geht. Das klingt vielleicht sehr ambitioniert, aber wenn man etwas Neues schaffen möchte, dann kann man es nicht wie in der Politik machen, deren Horizont vielleicht eine, in seltenen Fällen auch mal zwei Wahlperioden weit reicht. Es bringt nichts, sich nach jedem Schritt umzusehen und zu überlegen, wohin man sich jetzt wendet; auf diese Weise geht man im Kreis oder in die Irre. Wenn man die Welt aus der gegenwärtigen Bredouille retten will, dann geht das nicht mit Scheuklappen und Begrenzungen. Man braucht ein großes Ziel, eine Vision, auch wenn es womöglich tausend Jahre dauert, sie zu verwirklichen, und je mehr Menschen diese Vision teilen, desto schneller und umfassender kann sie verwirklicht werden. Ohne diese Vision doktert jeder vor sich hin und der Eine macht zunichte, was der Andere angefangen hat, und dann beschäftigen wir uns auch in tausend Jahren noch mit der Reform der Krankenversicherung oder der Pendlerpauschale. Bei dieser Vision dürfen wir uns weniger davon leiten lassen, was wir glauben, verwirklichen zu können, als vielmehr davon, was uns wirklich erstrebenswert erscheint. Und diese Vision muss groß und weit genug sein, um Platz für noch größere zukünftige Träume zu haben. Sie darf nicht eng und begrenzt und sektiererisch sein, denn sonst stirbt sie in den Klauen der Bürokratie oder wird zu Tode diskutiert.
Nun, wie könnte unser Paradies aussehen? Zum Beispiel so: Staatsgrenzen gibt es nicht mehr. Die Menschen empfinden sich als Einheit und leben und arbeiten in Frieden und Freundschaft zusammen. Arbeit ist keine Qual, sondern ein erfüllendes Erlebnis. Jeder kann sich selbst verwirklichen. Man braucht kein Geld. Ansehen bekommt man durch das, was man wie auch immer für die Gemeinschaft leistet. Es gibt keine Umweltverschmutzung und keine Energieprobleme. Die fortgeschrittene Technik unterstützt das Leben und die Kreativität unaufdringlich. Die Lebens- und Arbeitsstätten fügen sich harmonisch in eine üppige Natur ein, ohne diese zu sehr zu belasten. Gartenbau und Landwirtschaft arbeiten nicht mehr gegen die Natur, sondern mit ihr, und der Mensch nimmt einen führenden Platz in einem neuen ökologischen Gleichgewicht ein.
Um all das zu verwirklichen, sind enorme Anstrengungen in wirklich allen Bereichen der Gesellschaft nötig. So etwas geht nicht en bloc, sondern nur in vielen kleinen Schritten. Der erste Schritt ist wie immer, diese Veränderung wirklich zu wollen. Und ehe sich die Gesamtgesellschaft verändert, ist in einem zweiten Schritt die Bildung von kleinen Gemeinschaften, wie etwa das bereits existierende Mirapuri, die Stadt des Friedens und des Zukunftsmenschen in Europa, erforderlich, in denen das zukünftige Leben in all seinen Aspekten praktisch erprobt wird.
In diesen ersten Gemeinschaften bestimmt die Weite des Bewusstseins die Freiheiten, die man zu verwirklichen vermag. In diesen ersten Gemeinschaften bildet deshalb die Bewusstseinsentwicklung die unverzichtbare Kernkompetenz. Ohne diese Bemühung sind Gemeinschaften nicht lebensfähig, sondern gehen bei den ersten offenen Fragen an Kompetenzgerangel, unterschiedlicher Visionsinterpretation und Egoismen zugrunde, wie das Beispiel der im Gefolge der 68er entstandenen Gemeinschaftsbildungen gezeigt hat. Ist diese Bewusstseinsentwicklung gesichert, stehen eigentlich alle Möglichkeiten offen, und man kann darangehen, entsprechend der Gemeinschaftsdynamik alle Punkte der Zukunftsagenda schrittweise zu verwirklichen.
Dabei stellt sich natürlich bald die Frage nach dem Wohnraum, dem Ausgangspunkt der eigenen Betätigung. Anfangs wird man natürlich meist vorhandene Gebäude kaufen und anpassen, aber derzeitige Gebäude entsprechen kaum jemals den Anforderungen an eine nicht nur ökologische Zukunft. Das Konzept, einfach ein Haus in die Landschaft zu stellen, ist inzwischen überholt. Die Zukunft verlangt nach größeren Lebenszusammenhängen. Die strikte Trennung in Arbeitsplatz und Kleinfamilienbiotop ist nicht mehr zeitgemäß. Das Lebensmodell der Zukunft sind – idealerweise – Seelengemeinschaften oder auch Freundeskreise und Interessengemeinschaften, in denen Leben, Ideal, Freundschaft, Liebe, Arbeit und Natur möglichst nahe beisammenliegen. Die dafür nötigen Örtlichkeiten sind Öko-Habitate.
Ein Habitat ist an sich der Lebensraum einer Spezies, wie ein Ameisenhaufen oder Bienenstock, aber auch eine Landschaft, ein Fluss, ein Wald, und auch die Erde ist ein Habitat; außerdem ist es auch eine Wohnstätte, eine Art umfangreicher Wohnkomplex oder ein geschützter Lebensraum, wie etwa ein Aquarium oder eine Raumstation.
Ein Öko-Habitat ist ein Lebensraum für Menschen, eine Schnittstelle oder Begegnungsstätte zwischen den ökologischen Systemen Mensch und Natur, in denen der Mensch das Zusammenspiel mit der Natur lernt und übt. In diesen Habitaten und ihrem näheren Umkreis kann er arbeiten, leben und sich ernähren. Und zwischen diesen Habitaten liegt im Idealfall Natur, die weitgehend sich selbst überlassen werden kann, so dass der Mensch die Möglichkeit hat, sich zu entfalten, ohne die Natur dabei zu schädigen. Gleichzeitig bieten sich ihm damit optimale Möglichkeiten, die Interaktion mit der Natur und die vielfältige Verzahnung aller ökologischen Systeme, einschließlich des Menschen selbst, eingehend zu erforschen.
Architektonisch können diese Habitate eine Vielzahl von Formen annehmen, abhängig von klimatischen und landschaftlichen Gegebenheiten, aber auch von den künstlerischen Fähigkeiten der Gestalter. Jedes Habitat sollte von unverbauter Natur umgeben sein, so dass die Habitate Tüpfelchen in der Natur sind und nicht, wie jetzt, die Natur Tüpfelchen in der Industrielandschaft. Das ist die beste Maßnahme, um die Erholung des natürlichen Ökosystems zu fördern. Der äußere Rand geht mit Pilzkulturen, Obst- und Nussbäumen und Beerensträuchern fließend in die eigentliche Habitatsfläche über. Die Ernährung sollte weitgehend vegetarisch erfolgen, so dass keine großen Flächen für die Viehhaltung benötigt werden, sondern vor allem für Felder zum Anbau von vielfältigen Getreidesorten, Kartoffeln und anderen Wurzelgemüsen, Faserpflanzen sowie Eiweißlieferanten wie Sojabohnen, Dicke Bohnen oder Lupinen. Aufgelockert wird die Landschaft durch Obst- und Wildobsthecken, aber auch kleinen Inseln aus Wiesen und Zierpflanzen aller Art. Wenn man bereit ist, sich von der alten Eintönigkeit zu verabschieden, kann man zu einer heute trotz Globalisierung undenkbaren Vielfalt an Nahrungsmitteln gelangen. In direkter Nähe des baulichen Zentrums befinden sich Anbauflächen für Gemüse und Kräuter sowie Zierpflanzen. Außerdem finden sich hier auch vielfältige Versammlungs- und Entspannungsanlagen, wie Amphitheater, Sportplätze, Pavillons, Parks, Botanischer Garten, evtl. ein Streichelzoo, Badeanlagen und Ähnliches.
Die eigentlichen Habitatsgebäude sind so geplant, dass sie die Sonnen- und evtl. auch Windenergie optimal ausnutzen. Die Sommerwärme wird über Kollektoren in Wärme- oder Erdwärmespeicher geleitet und das Sonnenlicht des Winters durch Spezial­kollektoren nutzbar gemacht und zur aktiven Wärmedämmung der Außenmauern (Mirasolaris-System) verwendet. Idealerweise sind die Außenmauern nur die Ummantelung des eigentlichen Wohnraums, der zusätzlich in einigem Abstand von Glasfassaden geschützt ist, so dass das gut isolierte Glashaus im Winter schon für eine gewisse Grunderwärmung sorgt. Die in diesem Bereich nicht unbeträchtliche Temperaturerhöhung im Sommer wird zur Energiegewinnung genutzt oder verstärkt die Ladung der Wärmespeicher. Von dieser Isolier- und Wärmewirkung des Gewächshausteils abgesehen, dient er mit gleicher Wichtigkeit auch für den Anbau von Nahrungsmitteln, die im Sommer viel Wärme und Regenschutz benötigen, vor allem Fruchtgemüse, Blumen und Kräuter, liefert aber im Winter auch anderes Frischgemüse. Außerdem bieten die Gewächshausetagen im Winter auch willkommene Freiflächen.
Ein Gesamthabitat sollte nicht mehr als ein paar Tausend Menschen beherbergen und nur so groß sein, dass man ohne Fahrzeuge auskommt. Bei dieser Anzahl von Menschen lohnt es sich, eine komplette kleine Infrastruktur aufzubauen mit Kindergarten, Schule, Computerzentrum mit umfangreicher elektronischer Mediathek und leistungsfähigem Intranet, Ateliers, Mensa, Diskothek, Gemeinschaftsräumen, Meditationsräumen und -gärten, Gesundheitszentrum… Aus gemeinschaftsdynamischen und -psychologischen Gründen sollte sich die Bevölkerung auf mehrere Untereinheiten von nicht mehr als 150 Personen verteilen, von denen vielleicht jede für einen Aspekt der Infrastruktur verantwortlich ist.
Da manche Arbeitszweige eine starke Spezialisierung erfordern, wie z.B. Forschung, Elektronikindustrie, Nanotechnologie, können sich einzelne Habitate auf solche Leistungen spezialisieren. Idealerweise sind solche Habitate von vielen nicht oder weniger spezialisierten Habitaten umgeben, um den dortigen Einwohnern bei Interesse die Möglichkeit zur Mitarbeit zu geben, ohne eine zu große Anreisedauer in Kauf nehmen zu müssen.
Verkehrstechnisch kann man die einzelnen Habitate mit einem unterirdischen Rohrbahnsystem oder mit einem kleinformatigen Hochbahn-Kabinentaxi-System verbinden. Dieses System sollte, wie bei Blattadern, über mehrere hierarchische Ebenen mit einem kontinentalen, schnellen, erdgebundenen Beförderungssystem verbunden sein. Größere Lastentransporte lassen sich dabei über ein energieextensives Zeppelinsystem erledigen. Die Kommunikation erfolgt, zumindest habitatsintern, über Kabel oder über ein ausgeklügeltes System an schwachen Sendern, evtl. auf Basis von Teraherz-Wellen. Zwischen den Habitaten kann man Richtfunkanlagen verwenden, die ebenfalls wenig Energie verbrauchen. Evtl. kann man auch im erdnahen Raum, weit unterhalb der Satellitenumlaufbahnen, aber oberhalb der Windzone geostationär kleine, aber leistungsfähige Sender installieren, die durch einen Ballon, Solarmodule und Steuereinheiten an ihrem Platz gehalten werden und die eine Fläche von mehreren Tausend Quadratkilometern versorgen können.
Finanziell betrachtet kosten solche Habitate vielleicht viel Geld, aber insgesamt gesehen sind sie ausgesprochen ökonomisch, da sie helfen, Folgeschäden menschlichen Wirkens gering zu halten, durch die Nähe von Arbeit und Leben das Verkehrsaufkommen zu senken, durch ihren Aufbau Energie zu sparen und durch den damit verbundenen Garten- und Landbau ernährungsmäßig einigermaßen autark zu sein. In einem solchen System von Habitaten könnten die Menschen gesünder, zufriedener, kreativer, bewusster, angstfrei und friedvoller leben und die Lebensqualität würde ansteigen. Wem das Ganze zu eng ist, der kann als Wanderhabitant von Habitat zu Habitat ziehen, über den ganzen Globus, und auf diese Weise neue Menschen, neue Sprachen, neue Lebensformen und neue Kulturen kennen lernen, bis er seinen ureigensten Platz gefunden hat.
Diese Habitate sollen jedem die Möglichkeit bieten, sich selbst zu finden und zu verwirklichen: dem Technik-Freak die Technik, dem Natur-Freak die Natur und dem Kommunikationsfreak die ganze Vielfalt menschlichen Lebens. Diese Habitate sind eine einzigartige Möglichkeit für die Menschheit, sich endlich als Menschheit, als Einheit, zu begreifen.

Alles Neue wird immer auf den Widerstand konservativer Leute treffen. Wenn wir uns diesem Widerstand beugen, wird die Welt nie einen Schritt vorankommen.

Mira Alfassa

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